Glossar.

Die wichtigsten Begriffe rund um Hochschul-Webrelaunch, Vergabe, Technik und Sichtbarkeit — kurz und klar erklärt. Als gemeinsame Sprache für IT-Leitung, Hochschulkommunikation und Präsidium.

Vergabe & Recht

UVgO — Unterschwellenvergabeordnung
Regelwerk für öffentliche Aufträge unterhalb des EU-Schwellenwerts. Für die meisten Hochschul-Webprojekte der maßgebliche Rahmen für ein faires, nachvollziehbares Verfahren.
VgV — Vergabeverordnung
Gilt für Aufträge oberhalb des EU-Schwellenwerts (aktuell 221.000 € netto für Liefer- und Dienstleistungen) und schreibt ein EU-weites Verfahren vor.
EU-Schwellenwert
Auftragswert, ab dem europaweit ausgeschrieben werden muss. Darunter gilt meist nationales Recht (UVgO), darüber die VgV.
Vergabesicherheit
Eigenschaft einer Ausschreibung, die allen formalen Anforderungen entspricht und im Prüf- oder Nachprüfungsverfahren standhält — intern wie extern tragfähig begründet.
Fachliche Anforderungsbeschreibung
Beschreibt, was die Website leisten soll (Funktionen, Inhalte, Ziele) — nicht wie sie technisch gebaut wird. Grundlage für vergleichbare Angebote statt vorweggenommener Technikentscheidungen.
Eignungs- & Zuschlagskriterien
Zwei Prüfebenen im Vergabeverfahren: Eignungskriterien klären, ob ein Bieter grundsätzlich geeignet ist (Erfahrung, Referenzen, Kapazität); Zuschlagskriterien bewerten das konkrete Angebot (Qualität, Konzept, Preis).
Verfahrensarten
Die möglichen Wege einer Ausschreibung — etwa Offenes Verfahren, Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb oder, unterhalb der Schwellenwerte, vereinfachte Verfahren nach UVgO.

Technik & Architektur

CMS — Content-Management-System
Software zur Pflege von Website-Inhalten ohne Programmierkenntnisse. An Hochschulen häufig TYPO3; die Wahl sollte erst nach der Anforderungserhebung fallen.
TYPO3
Im deutschen Hochschulsektor weit verbreitetes Open-Source-CMS. Stark bei mehrsprachigen, redaktionell komplexen Auftritten mit vielen Rollen und Rechten.
Headless-CMS
Architektur, bei der die Inhaltsverwaltung von der Darstellung getrennt ist; Inhalte werden über eine Schnittstelle (API) an beliebige Frontends ausgespielt. Flexibel, aber mit eigenem Betriebsaufwand.
HISinOne — Campus-Management-System
Verbreitetes Campus-Management-System an deutschen Hochschulen (HIS eG) für Bewerbung, Studierenden- und Prüfungsverwaltung. Beim Relaunch oft per Schnittstelle an die Website angebunden.
Middleware & Schnittstellen (API)
Verbindungsschicht zwischen Systemen (z. B. CRIS, Suche, Identitätsmanagement). Sauber spezifizierte Schnittstellen entscheiden über Aufwand und Betriebssicherheit.
SSO — Single Sign-On
Einmalige Anmeldung für mehrere Dienste. An Hochschulen relevant für geschützte Bereiche und die Integration in die bestehende Identitätsverwaltung.
Migration
Übernahme bestehender Inhalte in das neue System. Ein realistisches Migrationskonzept verhindert Datenverlust, Redaktionsstau und überraschende Kosten.
BITV 2.0 / WCAG — Barrierefreiheit
Verbindliche Standards für barrierefreie öffentliche Websites. Von Beginn an mitgedacht statt nachträglich repariert — rechtlich gefordert und qualitativ besser.
TCO — Total Cost of Ownership
Gesamtkosten über die Lebensdauer (Lizenz, Hosting, Pflege, Weiterentwicklung), typisch über 5–8 Jahre. Macht CMS-Optionen ehrlich vergleichbar.

Prozess & Methode

World-Café
Moderationsformat, in dem viele Beteiligte in wechselnden Kleingruppen Ideen entwickeln. Bringt an Hochschulen die vielen Anspruchsgruppen produktiv zusammen.
Großgruppenmoderation
Strukturierte Moderation großer, heterogener Runden — vom Präsidium bis zu Studierenden — mit dem Ziel eines gemeinsamen, tragfähigen Anforderungsbildes.
Product Owner (PO)
Rolle, die auf Auftraggeberseite Prioritäten setzt und das Ergebnis verantwortet. Als PO-Coach befähige ich die Hochschule, den Dienstleister wirksam zu steuern.
Agile / Scrum
Iterative Arbeitsweise in kurzen Zyklen mit regelmäßigen Ergebnissen. Reduziert das Risiko, am Bedarf vorbei zu entwickeln.
Angebotsbewertung
Strukturierter Vergleich der Bieter anhand einer Matrix (Kompetenz, Arbeitsweise, Wirtschaftlichkeit, Vertrag). Grundlage für eine begründete Auswahlentscheidung.
Bietergespräch / Pitch
Moderierter Termin, in dem Bieter ihr Angebot vorstellen. Ein vorbereiteter Fragenkatalog macht die Runden vergleichbar und die Entscheidung belastbar.
Stakeholderanalyse
Systematische Erhebung aller Anspruchsgruppen — Präsidium, Fakultäten, IT, Verwaltung, Studierende — mit ihren Interessen und ihrem Einfluss.
Web-Governance
Regeln und Zuständigkeiten für den Betrieb der Website nach dem Go-Live: Wer pflegt welche Inhalte, wer entscheidet über Struktur und Standards.

Sichtbarkeit & Inhalt

Positionierung
Der strategische Kern einer Hochschule — Mission, Vision, Werte. Ohne sie wird die Website zur Visitenkarte ohne Botschaft.
Botschaftsarchitektur
Geordnetes Gefüge der Kernaussagen: Was sagen wir wem, in welcher Reihenfolge? Gibt Inhalten und Gestaltung eine gemeinsame Richtung.
Informationsarchitektur (IA)
Struktur und Navigation einer Website. Eine klare IA löst Microsite-Wildwuchs auf und macht Inhalte auffindbar.
SEO — Suchmaschinenoptimierung
Maßnahmen, damit eine Hochschule in Suchmaschinen gefunden wird. An Hochschulen eine Teamaufgabe aus Technik, Inhalt und Struktur.
GEO — Generative Engine Optimization
Optimierung für KI-Antwortsysteme (z. B. ChatGPT, Perplexity). Klare, strukturierte und gut belegte Inhalte erhöhen die Chance, zitiert zu werden.
Strukturierte Daten / Schema.org
Maschinenlesbare Auszeichnung von Inhalten nach dem schema.org-Standard, die Suchmaschinen und KI-Systemen sagt, was ein Inhalt bedeutet — etwa Veranstaltung, Person oder Studiengang.
Markenkern (Mission · Vision · Werte)
Der strategische Kern einer Hochschule: ihr Auftrag (Mission), ihr Zielbild (Vision) und ihre Werte. Er sollte vor dem ersten Pixel feststehen.
Persona
Ein exemplarisches Profil einer Zielgruppe — etwa „Studieninteressierte aus dem Ausland" — mit Zielen, Fragen und Hürden. Macht Entscheidungen über Inhalte und Navigation konkret.
Microsites
Eigenständige Teilauftritte (Institute, Projekte, Kampagnen). Über die Jahre wuchern sie; eine Konsolidierung schafft Konsistenz und entlastet die Redaktion.

Künstliche Intelligenz

LLM — Large Language Model
Großes Sprachmodell (z. B. GPT, Claude), das Texte versteht und erzeugt. Grundlage vieler KI-Funktionen — von Redaktions-Assistenz bis Chat-Antworten.
Semantische Suche
Suche, die die Bedeutung einer Frage versteht statt nur Stichwörter abzugleichen. „Master ohne NC" findet so die passenden Studiengänge.
RAG — Retrieval-Augmented Generation
Verfahren, bei dem ein Sprachmodell seine Antworten aus den geprüften Inhalten der Hochschule zieht statt aus seinem allgemeinen Training. So bleiben KI-Antworten korrekt, aktuell und belegbar.
Prompt
Die Eingabe bzw. Anweisung an ein KI-System. Gut formulierte Prompts entscheiden über Qualität, Tonalität und Verlässlichkeit der Ergebnisse.
KI-Governance & EU AI Act
Regeln für den verantwortungsvollen KI-Einsatz: Transparenz, Datenschutz, menschliche Kontrolle. Der EU AI Act schafft dafür den verbindlichen Rahmen — für öffentliche Stellen besonders relevant.